Reflektiertes Fensterlicht hilft, wenn die vom Glas abgewandte Seite eines Motivs zu dunkel wird. Eine weiße Platte erzeugt keine zweite unabhängige Lichtquelle, sondern lenkt vorhandenes Licht um. Ihre Wirkung hängt davon ab, wie sie zum Fenster steht, wohin sie das Licht reflektiert und wie nah sie am Motiv ist.
Beginne mit einem kleinen Stillleben oder einer sitzenden Person und mache eine Referenzaufnahme ohne Aufhellung. Stelle eine matte weiße Platte auf die Schattenseite außerhalb des Ausschnitts und drehe sie, bis der Schatten heller wird. Näher herangerückt wirkt sie meist stärker; ein ungünstiger Winkel kann das Licht jedoch am Motiv vorbeilenken. Beobachte deshalb den Gegenstand oder das Gesicht und nicht die Helligkeit der Platte.
Halte die Belichtung beim Vergleich verschiedener Positionen konstant. Ändert die Kamera zwischen den Bildern ihre Werte, kannst du eine allgemeine Helligkeitsänderung mit der Reflektorwirkung verwechseln. Prüfe gezielt eine Schattenwange, die Unterseite eines Henkels oder einen anderen Bereich. Die Fensterseite sollte erkennbar heller bleiben, wenn du die ursprüngliche Lichtrichtung erhalten möchtest.
Den gewünschten Schattenanteil wählen
Ein sehr naher Reflektor kann das Motiv flach erscheinen lassen. Ziehe ihn zurück, bis der Schatten wieder genug Tiefe für die Formbeschreibung bekommt. Auf einem glänzenden Gegenstand erscheint die Platte möglicherweise als helles Rechteck, statt nur einen Schatten aufzuhellen. Verändere Winkel oder Größe so, dass die Spiegelung zur Form passt. Prüfe Glas, poliertes Metall und glänzende Haut jeweils gesondert.
Eine silberne Oberfläche wirkt anders als mattes Weiß und kann einen auffälligeren hellen Reflex erzeugen. Sie ist nicht automatisch die passendere Wahl, nur weil sie kräftiger reflektiert. Eine einfache weiße Schaumstoffplatte lässt sich oft leichter für eine sanfte Änderung einsetzen. Sie muss allerdings sicher stehen und darf weder am Motiv lehnen noch die Person behindern.
Achte auf Farben aus der Umgebung. Eine farbige Wand hinter der Platte, eine warme Holzfläche oder ein leuchtendes Kleidungsstück kann zusätzlich Licht reflektieren. Verändert sich mit der Schattenhelligkeit auch dessen Farbe, suche die verantwortliche Fläche. Eine kleine Verschiebung des Aufbaus kann sauberere Farben liefern als der spätere Versuch, verschiedene Farbstiche innerhalb des Motivs auszugleichen.
Bewahre eine Aufnahme ohne Platte und eine mit ihrer endgültigen Position auf. Vergleiche beide nach der Sitzung in normaler Betrachtungsgröße. Sinnvoll ist die Aufhellung, die das Motiv verständlicher macht und die gewünschte Stimmung erhält. Beide Seiten gleich hell zu machen ist kein notwendiges Ziel und kann gerade die räumliche Wirkung des Fensterlichts schwächen.


