Ein Fenster kann genug Licht für ein Porträt liefern, ohne dass aus dem Zimmer ein Fotostudio werden muss. Entscheidend ist nicht nur die Helligkeit: Die Fensteröffnung gibt dem Tageslicht eine Richtung. Eine Wange zeigt zur Lichtquelle, während die andere im Schatten liegt. Schon kleine Kopfbewegungen werden dadurch sichtbar. Beginne mit einer einverstandenen Person, einem ruhigen Hintergrund und ausreichend Platz, um dich um den Stuhl bewegen zu können.
Betrachte zuerst das Licht, bevor du Kameraeinstellungen wählst. Direkte Sonne erzeugt härtere Schattenkanten als ein bedeckter Himmel oder ein Fenster, in das gerade keine Sonne fällt. Beides lässt sich nutzen, führt aber zu unterschiedlichen Bildern. Für den ersten Versuch eignet sich indirektes Tageslicht. Wenn eine dünne Gardine direktes Sonnenlicht abschwächt, prüfe, ob ihr Stoff das Gesicht farbig tönt oder störende Schattenmuster entstehen.
Erst das Gesicht zum Licht ausrichten
Setze die Person seitlich neben das Fenster, statt sie mit dem Rücken unmittelbar vor die Scheibe zu platzieren. Lass die Schultern etwas zum Licht drehen und anschließend das Gesicht zu dir wenden. Stell dich so hin, dass die beleuchtete Wange sichtbar bleibt. Eine leichte Drehung der Nase verändert bereits, wie viel Licht das weiter entfernte Auge erreicht. Gehe in kleinen Schritten vor, statt immer wieder den gesamten Aufbau zu verschieben.
Achte auf den Schatten unter der Nase und auf die Helligkeit der Augenhöhlen. Liegt das Fenster hoch und blickt die Person nach unten, können beide Augen dunkel wirken. Ein leicht angehobenes Kinn oder etwas mehr Abstand des Stuhls zur Wand kann helfen. Erzwinge keine Haltung, nur um ein bestimmtes Beleuchtungsmuster zu erreichen. Ein entspannter Ausdruck und eine angenehme Kopfhaltung sind wichtiger als ein vollkommenes Lichtdreieck auf der Wange.
Lass nach Möglichkeit etwas Abstand zwischen Person und Hintergrund. So kannst du Hintergrunddetails besser gestalten und einen scharf abgegrenzten Kopfschatten auf einer nahen Wand vermeiden. Kontrolliere vor der Aufnahme die Bildränder auf Steckdosen, Gardinenschnüre und helle Gegenstände. Oft reicht es, die Kamera um wenige Zentimeter zu versetzen, um eine Ablenkung auszublenden, ohne das Licht auf dem Gesicht zu verändern.
Ausdruck und Hautstruktur bewahren
Bei einem relativ ruhig sitzenden Erwachsenen kann etwa 1/160 Sekunde als Ausgangspunkt dienen, aber nicht als Garantie. Wähle eine kürzere Zeit, wenn die Person spricht, lacht oder sich nach vorn beugt. Die Blende sollte genügend Schärfentiefe für das Gesicht lassen. Bei ganz geöffneter Blende kann das vordere Auge scharf sein, während das andere bereits außerhalb des nutzbaren Schärfebereichs liegt. Erhöhe bei Bedarf den ISO-Wert, statt allein wegen einer niedrigen ISO-Zahl Bewegungsunschärfe hinzunehmen.
Fokussiere auf das nähere Auge und prüfe eine Aufnahme vergrößert. Die Augenerkennung kann helfen; kontrolliere trotzdem, welches Auge die Kamera ausgewählt hat. Orientiere die Belichtung am Gesicht und prüfe helle Bereiche an Stirn und Wange auf verlorene Zeichnung. Ein Fenster im Bild kann wesentlich heller als die Haut sein. Entscheide, ob der Blick nach draußen wichtig ist. Wer jedes helle Außendetail erhalten möchte, bildet die Person möglicherweise unnötig dunkel ab.
Schalte Zimmerlampen aus, wenn sie eine unerwünschte zweite Lichtfarbe erzeugen. Falls eine einheitliche Farbwiedergabe wichtig ist, fotografiere eine neutrale Graukarte im selben Licht wie das Gesicht. Wolken können die Helligkeit während der Aufnahmen verändern. Prüfe die Belichtung deshalb erneut, sobald das Licht wechselt. Bei automatischer Belichtung kann auch der Wechsel von einem dunklen zu einem hellen Oberteil die Messung beeinflussen.
Ist dir die Schattenwange zu dunkel, halte eine schlichte weiße Platte auf dieser Seite neben das Gesicht, außerhalb des Bildausschnitts. Beginne mit größerem Abstand und rücke die Platte näher heran, bis der Schatten heller wird, ohne ganz zu verschwinden. Vergleiche eine Aufnahme mit und eine ohne Platte. Wähle die Variante, die zum Ausdruck passt, statt hellere Schatten grundsätzlich für die bessere Lösung zu halten.


